Allzeit bereit und immer Vollgas? – Was Bürgerinnen & Bürger von Gemeindeoberhäuptern erwarten

Fachprojekt beleuchtet die „Nachfrageseite“ der Kommunalpolitik

Bild der Diskussion © Nicola Roth
Projektverantwortlich an der HVF: Dr. Erich Holzwarth und Prof. Dr. Rafael Bauschke
Projektlaufzeit: WiSe 25/SoSe 25-26
Finanzierung: n.n.

Jeder hat wohl eine Meinung dazu, was Bürgermeisterinnen und Bürgermeister können und tun müssen – was jedoch bislang weitgehend fehlte, ist eine systematische und empirische Analyse der Erwartungshaltung von Bürgerinnen und Bürgern, wenn es um „ihr“ Gemeindeoberhaupt geht. Oder einfacher ausgedrückt: was brauchen Kandidatinnen und Kandidaten eigentlich in den Augen der Wählerschaft, um wählbar zu sein?

 

Dieser Frage widmete sich ein Fachprojekt unter der Leitung von Dr. Erich Holzwarth und Prof. Dr. Rafael Bauschke, dessen Ergebnisse kürzlich im Rahmen einer gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierten Veranstaltung vorgestellt und diskutiert wurden.

 

In Ihrer Begrüßung betonte Nicola Roth, Leiterin des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Bedeutung der kommunalen Ebene für die demokratische Gesellschaft insgesamt und wie wichtig es sei, sich stärker mit den Erwartungen von Bürgerinnen und Bürgern auseinanderzusetzen, um das Vertrauen in die Gesellschaft „von unten“ zu stärken. Hieran anknüpfend hoben die Leiter des Fachprojekts in ihrer kurzen Einleitung zur Vorstellung der Ergebnisse hervor, dass belastbare Erkenntnisse zur Frage, was Bürgerinnen und Bürger eigentlich von einem potentiellen Gemeindeoberhaupt erwarten, praktisch nicht zu finden sein und so die Idee zu einer eigenen Datenerhebung entstand. Das Fachprojekt konzentrierte sich dabei ganz bewusst auf kleinere Kommunen. Über Umfragen im Rahmen mehrerer Kandidat/innenvorstellungen sammelte das Fachprojekt spannende Erkenntnisse, welche die Studierenden Sina Prinz, Lucia Greiner und Florian Hanser stellvertretend vorstellten.

 

Schnell wurde hierbei deutlich, dass man es als potentielles Gemeindeoberhaupt gar nicht so leicht hat, die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Die Erwartungen an Arbeitseifer und Identifikation mit der Gemeinde und ihren Belangen ist groß – vielleicht auch in Teilen etwas zu groß.

 

Entgegen früherer Forschungsergebnisse spielt Fachlichkeit zwar eine große aber eben doch nicht die alles dominierende Rolle. Vielmehr müssen Wählerinnen und Wähler den Kandidierenden abnehmen, dass sie vollen Einsatz für die Kommune bringen und bestimmte Eigenschaften und Werte mitbringen. Für Frauen ist dieser Aspekt dabei noch wichtiger als für Männer.

 

Ein weiterer interessanter Befund: Zwar stimmen weite Teile der Befragten zu, dass Ihnen das Geschlecht des Gemeindeoberhaupts egal sei – fragt man sie jedoch nach wünschenswerten Eigenschaften, werden eigentlich nur Zuschreibungen benannt, die man eher mit Männern assoziiert.

 

Ein weiterer Schwerpunkt betraf die Frage, auf welchen Faktoren die Wahlentscheidung letztlich basiert. Klare Unterschiede lassen sich hierbei in den verschiedenen Altersstufen beobachten. So spielt bei jüngeren Befragten bei der Meinungsbildung das digitale Angebot der Kandidat/innen eine größere Rolle, während die Mittel des klassischen Offline-Wahlkampf eher nachgelagert gesehen werden. Besonders spannend ist aber die Tatsache, dass letztlich das Bauchgefühl und der erste Eindruck für viele Wählerinnen und Wähler ganz maßgeblich für ihre Entscheidung ist – was einmal deutlich macht, dass Wahlen in den seltensten Fällen ein Ergebnis rein rationaler Faktenabwägung sind.

 

Im Anschluss an die Ergebnisvorstellung diskutierten die Studierenden gemeinsam mit Jessica Lang, Bürgermeisterin von Maulburg, und ihrem Partner Philipp Lotter, Bürgermeister der Gemeinde Hausen im Wiesental, die Ergebnisse auch noch einmal aus der Warte von Gemeindeoberhäuptern. Dabei wurden bereits Unterschiede im Wahlkampf deutlich – Familienplanung wird für Kandidatinnen zum Thema gemacht, während das bei Männern nicht der Fall ist. Beide empfahlen eine klare Haltung. Das gilt auch bei der Frage der ständigen Verfügbarkeit, die gerade in kleineren Kommunen oft in die Grenzüberschreitung geht. Hier den teils überbordenden Erwartungen eine klare Grenze aufzuzeigen, sei letztlich auch eine Frage der Haltung – die Wählerinnen und Wähler bei ihrem Gemeindeoberhaupt schließlich sehen wollen.