Gemeinsam digital

Nachricht vom 14.10.2026

5.Fachtagung Digitale Verwaltung setzt auf Nachnutzung und Kooperation

Bereits zum fünften Jahr in Folge hat am vergangenen Donnerstag, 8. Oktober 2026, die Fachtagung Digitale Verwaltung stattgefunden, dieses Jahr wieder an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl. An der gemeinsam mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg organisierten Veranstaltung haben erneut zahlreiche Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis und Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, der kommunalen Spitzenverbände sowie der zuständigen Ministerien teilgenommen. Thematisch im Vordergrund der Fachtagung des Bachelorstudiengangs „Digitales Verwaltungsmanagement (DVM)“ stand der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit und die Weiterverwendung von digitalen Verwaltungsservices.


Keynote von Ronja Kemmer
Die Keynote wurde von Ronja Kemmer, Ministerialdirektorin und Chief Digital Officer der Landesregierung im Ministerium des Inneren für Digitalisierung und Europa, gehalten. In ihrem Vortrag reagierte sie auf das von ihrem Vorredner Prof. Dr. Jörn von Lucke vom Open Government Institute der Zeppelin-Universität Friedrichshafen eindrucksvoll skizierte Erfordernis an die gesellschaftliche Generationenaufgabe der Verwaltungsdigitalisierung- und Modernisierung und zeigte auf, wie die Landesregierung Baden-Württembergs den aktuellen Erwartungen an die künftige Digitalisierung gerecht werden möchte.

„Wenn man Veränderung in ein System bringen will, ist die erste Reaktion darauf oftmals Skepsis. Wir müssen es schaffen, diesen Knoten zu lösen, denn unser Land ist an vielen Stellen sehr komplex geworden und damit die Bürgerinnen und Bürger dem Staat vertrauen muss er widerspiegeln, was die Menschen im privaten Bereich bereits gewohnt sind. Mehr Personal wird künftig nicht mehr die Lösung für die Vielzahl an Verwaltungsaufgaben sein. Um also handlungsfähig zu bleiben müssen wir automatisieren, und der Schlüssel dazu liegt im Bereich der Digitalisierung.“

 

Fachvorträge
Zu den diesjährigen Schwerpunktthemen interkommunaler Zusammenarbeit und der Weiterverwendung digitaler Verwaltungsservices konnten einige renommierte Speakerinnen und Speaker für die Tagung gewonnen werden.

Willkommen geheißen wurden die Teilnehmenden zunächst von Prof. Dr. Joachim Beck, Rektor der Hochschule Kehl, Landrat des Ortenaukreises Thorsten Erny und Prof. Dr. Antje Dietrich, Studiendekanin des Bachelorstudiengangs „Digitales Verwaltungsmanagement“ (DVM).


Im Anschluss stellte Theresa Amberger, Head of Research des NExT e. V., die Ergebnisse der NExT-Studie zur Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung vor, die bereits bundesweit große Aufmerksamkeit erfahren hat. Unter Nachnutzung wird im Rahmen der Studie die gezielte Übernahme, Wiederverwendung oder Mitnutzung bereits entwickelter (digitaler) Lösungen, Methoden, Prozesse, Vorgehensweisen oder Daten durch andere Behörden oder Organisationseinheiten verstanden.

„Mit vielen kleinen Insellösungen zu arbeiten bedeutet, für jede davon Ressourcen aufwenden zu müssen“, so Theresa Amberger während ihrer Präsentation. „Unsere Studie zeigt, dass das Konzept der Nachnutzung in der Verwaltung derzeit als eine grundsätzlich gute, aber schwierig umsetzbare Idee wahrgenommen wird.“

Neben der Weiterverwendung von digitalen Verwaltungsservices wurde bei der Tagung auch der neugeründete Zweckverband Service und Digitalisierung Bietigheim der Gemeinden Bietigheim, Steinmauern, Au am Rhein und Ötigheim vorgestellt, welcher insbesondere ein spannendes Modell für kleinere Kommunen in Baden-Württemberg sein kann, um knappe Ressourcen zu bündeln und Synergien zwischen Gebietskörperschaften zu schaffen.

„Es gibt so viele Bereiche, in denen wir zusammenarbeiten könnten, aber wir fangen mit der IT an. Da IT-Stellen gerade für kleine Gemeinden oftmals nicht machbar sind, könnte unser Zweckverband zu einem Modell für ganz Baden-Württemberg werden“, so Constantin Braun, Bürgermeister der Gemeinde Bietigheim.

„Die vier Gemeinden unseres Verbands werden künftig ein gemeinsames IT-Team, bestehend aus drei Vollzeit-Äquivalenten und perspektivisch auch einem Auszubildenden, haben“, ergänzte Romy Bechtold, die neue Geschäftsführerin des Zweckverbands.

 

Workshops mit verschiedenen Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen der Verwaltungsdigitalisierung
Ebenfalls fester Bestandteil des Tagungsprogramms waren eine Vielzahl an interaktiven Workshops, in denen neue Ideen sowohl für die digitale Transformation der kommunalen Verwaltung als auch für den Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“ der Hochschulen Kehl und Ludwigsburg entwickelt wurden. So ging es um Themen wie Künstliche Intelligenz, digitaltaugliches Recht, Veränderungen im Datenschutz, europäische Datenräume und Erfahrungsaustausch zu aktuellen Digitalisierungsprojekte in den Kommunen.


Folgende Workshops wurden den Teilnehmenden angeboten:

  • „Künstliche Intelligenz in der Verwaltung: Dystopie oder Utopie?“ mit Dr. Philipp Bauer, Projektmanager für Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung bei der IPAI Foundation mit Einblicken in die KI-Politik der Stadt Heilbronn, Stadt Ulm und Stadt Wiesloch mit Florian Nader, CDO der Stadt Heilbronn, Verena Till, Koordinatorin KI-Governance & Strategie Stadt Ulm und Simon Kamuf, Team Digitalisierung Stadt Wiesloch
  • „Wie geht digitaltaugliches Recht? Grundlagen des föderalen Informations-Managements“ und „Arbeitsergebnisse der AG openDVA: Werkzeuge zur Vorbereitung, Ergänzung und Nachnutzung von FIM-Stamminformationen“ mit Marianne Mauch, Friedrich-Schiller-Universität Jena und einem Einstieg in das föderale Informationsmanagement (FIM)“ mit Jörg Schröder, FIM-Coach
  • „Datenschutz und Compliance“ und „Neue Impulse zum Digitalen Omnibus der EU: welche Veränderungen stehen da für das Datenschutzrecht an?“ mit Prof. Dr. Ina Klingele, Professorin und Prodekanin an der Hochschule Kehl sowie Leiterin des Kommunalen Netzwerks Datenschutz
  • „Datenschutz und Compliance“ mit Dr. Katrin Staier, stellv. Leiterin des Rechtsamts der Stadt Bruchsal
  • „Videoüberwachung: die Auswirkungen des geänderten Datenschutzgesetzes für die Praxis“ mit Prof. Dr. Philipp Singler, Professor für Öffentliches Recht an der Hochschule Kehl und dort behördlicher Datenschutzbeauftragter
  • „Blitzlicht durch die Digitalisierung in der Region: Gemeinsam Digital“ mit Ortenau Digital: „Digitale Souveränität: Einführung von Open Desk in der Stadt Oberkirch“ mit Nicolai Anbarestani, Leiter des Sachgebiets Digitalisierung der Großen Kreisstadt Oberkirch, „Mit Formcycle zu digitalen Workflows – Praxisbericht aus dem Landratsamt Ortenaukreis“ mit Bastian Utz und Christian Dinger, Landratsamt Ortenaukreis, „Erfahrungsbericht Virtuelles Amt“ mit David Mühlhaupt, Stadt Lahr
  • „(Europäische) Datenräume am Beispiel des EU-Projektes DECIDe” mit Lisa Brunzel, [ui!] Urban Software Institute, Dr. Lukas Birkenmaier, Projektkoordinator des europäischen DECIDe-Projekts und Teil des Innovationsteams der Stadt Freiburg, Marianne Mauch, Friedrich-Schiller-Universität Jena und Johannes Höting, Masterstudent „Europäisches Verwaltungsmanagement“ an der Hochschule Kehl

 

Podiumsdiskussion und Abschluss
Am Nachmittag fand eine finale Podiumsdiskussion zum Thema „Digitalrendite? Wo wird sie berechnet und warum sollten wir es tun?“ statt. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Jörg Röber, Professor für Verwaltungsmanagement mit dem Schwerpunkt Prozessmanagement an der Hochschule Kehl. Auf dem Podium saßen Steffen Jäger, Hauptgeschäftsführer des Gemeindetag Baden-Württemberg, und Dr. Tassilo Keiber, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei weniger die technische Frage der Berechnung bzw. Quantifizierung einer solchen Rendite, sondern eher die Frage nach ihrem Nutzen und ihrer Sinnhaftigkeit.


Vielen Dank an alle Mitwirkenden und Unterstützer der diesjährigen Veranstaltung
Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ludwigsburg sowie mit freundlicher Unterstützung von badenIT, DACHS IT, formcycle, N12h und Komm.ONE durchgeführt.
Die nächste Fachtagung Digitale Verwaltung wird am 28. und 29. Oktober 2027 an der Hochschule Ludwigsburg stattfinden.


Zweiter Tagungstag für Studierende und Absolventinnen und Absolventen
Neben einer Teilnahme am Tagungsprogramm nutzen viele Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen des DVM die Fachtagung auch, um zu einem jahrgangs- und hochschulübergreifenden Austausch zusammenzukommen. Einige von ihnen trafen sich am nächsten Tag, dem 9. Oktober 2026, erneut an der Hochschule und starteten mit einem Meet&Greet des DVM.Networks, dem Alumni-Netzwerks ihres Studiengangs, moderiert von Hannes Stockinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Digitalisierung im öffentlichen Sektor an der Hochschule Kehl, in den Tag. Anschließend folgte ein Vortrag und inhaltliche Vorbereitung von Jan Molzberger, Leiter des Europabüros der baden-württembergischen Kommunen, zum Thema „EUDI-Wallet und die Auswirkungen auf Kommunen“, bevor es gemeinsam zu einer Besichtigung des Europäischen Parlaments in Straßburg weiterging. Abends hat die Gruppe die Fachtagung beim gemeinsamen Flammkuchenessen ausklingen und Revue passieren lassen.


Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“
Vor sechs Jahren hat das Land Baden-Württemberg den Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“ (DVM) ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Kommunen mittels eigens dafür ausgebildeter Expertinnen und Experten in das digitale Zeitalter zu führen. Das veränderte Informations- und Kommunikationsverhalten von Bürgerinnen und Bürgern erfordert neue Kompetenzen, die künftige Verwaltungsmitarbeitenden mitbringen sollten, um die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung sowohl strategisch als auch operativ zu steuern.


Der Studiengang ist in sechs Semester gegliedert und unterteilt in Theorie- und Praxisphasen. Zu den Studieninhalten gehören neben rechtlichen Fächern auch Grundlagen in Verwaltungsmanagement und anwendungsbezogener Informatik. Als Beamtinnen und Beamte auf Widerruf erhalten die Studierenden monatlich Bezüge in Höhe von circa 1.600 Euro. Mehr Informationen zum Studium finden sich unter https://www.hs-ludwigsburg.de/studium-lehre/bachelor/dvm.


Bewerbungsstart für den nächsten Jahrgang ist Anfang Februar 2027. Interessierte öffentliche Institutionen und Kommunen im Bundesland können über eine Registrierung als Ausbildungsstelle im Bewerberportal der Hochschulen Kehl und Ludwigsburg einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen, um Digitalisierungsinitiativen in ihrer Organisation zu unterstützen.