Seit 25 Jahren qualifiziert der Masterstudiengang „Europäisches Verwaltungsmanagement“ (MEPA) Fach- und Führungskräfte für die Herausforderungen einer zunehmend vernetzten europäischen Verwaltung. Anlässlich des Jubiläums haben die Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg am 8. und 9. Oktober 2026 eine wissenschaftliche Tagung im Europäischen Parlament in Straßburg abgehalten. Eine festliche Abendveranstaltung im Kulturhaus Kehl am 8. Oktober bildet den festlichen Rahmen des Jubiläums und war zeitgleich Anlass für die Verleihung der Ehrensenatorinnenwürde der Hochschule Kehl an die ehemalige Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.
Unter dem Leitgedanken „25 Jahre Masterstudiengang – von der Idee zur Institution“ hat die Tagung den Blick sowohl auf die Entwicklung des Studiengangs als auch auf die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an die öffentliche Verwaltung in Europa gerichtet. Im Mittelpunkt der Diskussionen und Vorträge standen die europäische Integration, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Handlungsfähigkeit staatlicher Institutionen sowie die Kompetenzen, die Verwaltungsmitarbeitende für ihre Arbeit in einem komplexen europäischen Umfeld benötigen.
Verwaltung als Schlüssel zur europäischen Integration
Den Auftakt der Tagung bildeten die Begrüßungsworte von Prof. Dr. Joachim Beck, Rektor der Hochschule Kehl, und Dr. Iris Rauskala, Rektorin der Hochschule Ludwigsburg. „Europa ist nichts Abstraktes, sondern wird von uns allen täglich gelebt, mitgestaltet und mit Sinn erfüllt. Unsere Absolventinnen und Absolventen formen jeden Tag Europa mit ihrem Wissen und Können mit. Darauf sind wir sehr stolz“, sind sie sich einig.
In seiner Keynote zur Bedeutung der Verwaltung für die europäische Integration gab Prof. Dr. Stephan Grohs von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer wissenschaftliche Impulse für die anschließende Diskussion. „Ich sehe Kommunen als einen Anker für den Zusammenhalt der Europäischen Union, da sie die Ebene sind, auf die der Bürger trifft, um Europa zu erleben. Verwaltungen sind nicht nur Adressaten der EU, sondern auch Motoren, Filter und Praxisorte“, so Prof. Dr. Grohs.
Unter der Leitfrage, wie sich politischer Wille in europäische Handlungsfähigkeit übersetzen lässt, diskutierten der Europaabgeordnete René Repasi, Prof. Dr. Stephan Grohs, Anne Thevenet, stellvertretende Direktorin des Euro-Instituts und Rektor Prof. Dr. Joachim Beck über das Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und europäischen Institutionen. Die Moderation übernahm Studiendekanin Prof. Dr. Annegret Eppler.
Ein weiteres Panel widmete sich den Chancen und Herausforderungen des Europäischen Verwaltungsmanagements. Die Beiträge beleuchteten unterschiedliche Perspektiven: die Schnittstellen zwischen Verwaltungen in Brüssel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie die Bedeutung der Europäischen Union für die kommunale Verwaltung. Damit wurde die gesamte Bandbreite europäischer Verwaltungsarbeit in den Blick genommen – von der europäischen Ebene bis hin zu den Kommunen vor Ort. Mit einer Keynote von Cornelia von Loga MdL, Staatssekretärin im Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Europa, wurde das Tagungsprogramm des ersten Tages abgerundet.
Krisenfestigkeit und neue Kompetenzprofile für Europa
Am zweiten Tag standen die Herausforderungen für Verwaltungen in Krisenzeiten im Mittelpunkt. Ein Vortrag von Prof. Dr. Christoph Schewe von der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung Kiel-Altenholz/Reinfeld mit dem Titel „Globale Krisen, Europa, Recht und Verwaltung: Von Washington und Moskau bis nach Ludwigsburg, Kehl und Kiel“ führte dabei thematisch in den Tag ein. Diskutiert wurde, wie öffentliche Verwaltungen und die lokale Ebene zur Sicherung der Rechtsstaatlichkeit beitragen können und welche Rolle sie bei der Herstellung gesellschaftlicher und politischer Legitimität übernehmen. Auch wurde der Blick auf die Managementkompetenzen für Europas Zukunft gerichtet. In einem Vortrag von Prof. Dr. Alexander Loch von der Hochschule Ludwigsburg ging es unter anderem um interkulturelle Kompetenz, Methodenwissen und persönliche Fähigkeiten. Eine weitere Präsentation beschäftigte sich mit der Frage, welche beruflichen Perspektiven eine europäische Ausbildung eröffnet. Beiträge aus Wissenschaft und Verwaltungspraxis verbanden dabei die akademische Auseinandersetzung mit den konkreten Anforderungen des Berufsalltags. Ein Autorenworkshop zur aktuellen wissenschaftlichen Entwicklung und zur Weiterentwicklung des Studiengangs sollten Impulse für einen Jubiläumsband setzen und rundet das Tagungsprogramm ab.
Grußworte
Auch auf dem Programm stand eine Grußbotschaft aus dem Europäischen Parlament durch Dr. Andreas Schwab, der die Bedeutung des Masterstudiengangs hervorhob. Er erinnerte die Absolventinnen und Absolventen und Studierenden an die besondere Verantwortung, die sie in den Verwaltungen der EU, im Land und seinen Kommunen tragen, und bat darum, diese ernst zu nehmen und ihr Möglichstes für den Zusammenhalt zu leisten.
Prof. Paul Witt, Rektor a. D. und Vorsitzender des Vereins der Freunde der Hochschule Kehl e. V., überbrachte seine Grüße und Wünsche für den Studiengang auf digitalem Wege und nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit zur Entstehung des Studiengangs.
Die Studiendekane beider Hochschulen, Prof. Dr. Annegret Eppler und Prof. Dr. Gerald Sander übermitteln ebenfalls ihre Glückwünsche. „Das 25-jährige Bestehen des Studiengangs zeigt, wie wichtig es ist, europäische Entwicklungen nicht nur zu verstehen, sondern sie auch in konkretes Verwaltungshandeln zu übersetzen. Die gemeinsame Ausrichtung mit der Hochschule Ludwigsburg verbindet dafür wissenschaftliche Perspektiven, Verwaltungspraxis und europäische Zusammenarbeit“, sagte Studiendekanin Eppler. Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter, Prof. Dr. Jörg Röber, blickte sie auf die Entwicklung des Studiengangs zurück und diskutierte dessen zukünftige Ausrichtung. Prof. Dr. Röber betonte: „Angesichts grenzüberschreitender Herausforderungen, globaler Krisen und wachsender Anforderungen an staatliche Handlungsfähigkeit bleibt die Qualifizierung für europäische Verwaltungsaufgaben ein wichtiges Zukunftsthema.“
Den Abschluss des Abends bildete Johannes Carl, Absolvent des MEPA. Stellvertretend für den Alumni-Verein des MEPA, die European Masters Association e. V. (EMA), richtete er einige Worte an die Anwesenden. Dabei übermittelte er die Grüße des Vereins und sprach seinen Dank an die Hochschulen und Ihre Professorinnen und Professoren aus.
Dank
Die Veranstaltung wurde gefördert vom Verein der Freunde der Hochschule Kehl e.V. und vom Jean-Monnet-Lehrstuhl für Europäische Integrationsstudien an der Hochschule Kehl. Inhaberin ist seit 2018 Prof. Dr. habil. Annegret Eppler. Er wurde 2026 zum dritten Mal in Folge an sie verliehen. Das Kehler Organisationsteam rund um Prof. Dr. Annegret Eppler und Prof. Dr. Jörg Röber bedanken sich beim Europäischen Parlament und dem Kehler Kulturhaus für die Zurverfügungstellung der Räumlichkeiten.
Ausblick Frühjahr 2027
Mit der Tagung im Europäischen Parlament und der festlichen Abendveranstaltung in Kehl würdigen die beiden Hochschulen 25 Jahre Europäisches Verwaltungsmanagement – und richten den Blick auf die nächste Etappe europäischer Verwaltungszusammenarbeit. Ergänzend zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Straßburg und Kehl anlässlich des Bestehens des Masterstudiengangs ist für das Frühjahr 2027 eine weitere Jubiläumsveranstaltung an der Hochschule Ludwigsburg geplant. Weitere Informationen hierzu werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.


