Erfolgreich promovieren mit einer Verwaltungshochschule, wie geht das? Dr. Anna-Lena Hoffmann und Prof. Dr. Gerald G. Sander berichten von ihren Erfahrungen. - 16. April 2021

16.04.2021

Dr. Anna-Lena Hoffmann hat im Februar erfolgreich ihre Doktorarbeit an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Rijeka in Kroatien, Partneruniversität der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg (HVF), abgeschlossen. Gerald G. Sander, Professor an der HVF, hat die Promotion von Hoffmann betreut. Wir haben mit ihnen über ihre Erfahrungen einer internationalen Promotion gesprochen.

HVF: Liebe Frau Dr. Hoffmann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer abgeschlossener Promotionsarbeit. Können Sie kurz erklären, worum es in Ihrer Doktorarbeit geht?

A.-L. Hoffmann: Ich bin von meinem Hintergrund her Datenschutzrechtlerin – auch als Anwältin. Mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung haben sich viele Erneuerungen ergeben. Ich habe mich in meiner Forschung dann auf die datenschutzrechtliche Einwilligung im Gesundheitsbereich konzentriert.

HVF: Herr Professor Sander, wie ist diese Kooperation zwischen der Universität Rijeka und der HVF zustande gekommen ist und hat sie infolge der Pandemie gelitten?

G. Sander: Langfristige Kooperationen kommen häufig zunächst über enge persönliche Beziehungen zustande. Die Beziehung von mir zu der Universität Rijeka in Kroatien stammt schon aus dem Jahr 2005 infolge eines Publikationsprojekts. Über die jährliche Teilnahme an Tagungen und gemeinsame Veröffentlichungen vertiefte sich die Kooperation bis hin zur Lehre in Form einer deutschen Rechtsschule in Rijeka. Der Lehrstuhl für Europarecht in Rijeka hat eine Ausrichtung auf die Themen Sozialrecht und Gesundheitsrecht. Daher hat sich auch das Dissertationsthema von Anna-Lena Hoffmann hier gut eingepasst. Sie ist Volljuristin und Lehrbeauftragte an der Fakultät I, deshalb kam für sie die Juristische Fakultät in Rijeka für die Promotion in Frage. Durch die Pandemie hat sich in der Kooperation nicht viel geändert, außer dass zurzeit alles online stattfindet. So hatte ich Ende November auf einer Tagung in Rijeka referiert und danach die deutsche Rechtsschule abgehalten sowie Anfang Dezember mit unseren MEPA-Studierenden des Masterstudiengangs Europäisches Verwaltungsmanagement und Studierenden aus Rijeka eine gemeinsame Konferenz durchgeführt.

HVF: Frau Hoffmann, wie war es für Sie, dass Sie aufgrund der Pandemie nicht mehr nach Rijeka fahren konnten?

A.-L: Hoffmann: Ich fand es natürlich schade, dass ich nicht mehr persönlich hingehen konnte. Vorher bin ich gelegentlich auch für kleinere Anlässe, wie eine Präsentation, hingeflogen, um die Kontakte zu pflegen und mit meiner Mentorin in Rijeka persönlich zu sprechen. Die Qualität des Austauschs hat unter der Verschiebung ins Digitale trotzdem nicht gelitten – und durch die Unterstützung der Bibliothek in Rijeka auch die Forschung nicht.

HVF: War die Sprache eine Herausforderung für die Betreuung?

G. Sander: Die kroatische Mentorin absolvierte selbst Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland und Österreich und spricht perfekt Deutsch. Anna-Lena Hoffmann konnte ihre Promotion deshalb auf Deutsch schreiben. Auch die Verteidigung fand auf Deutsch statt, da alle Personen im Komitee der Verteidigung Deutsch sprachen und der Vorsitz von einem Juraprofessor der Universität Siegen übernommen wurde. Rijeka ist uns da sehr entgegengekommen.

HVF: Wie läuft die Promotion in Rijeka ab und wie hoch war der Verwaltungsaufwand?

A.-L. Hoffmann: Der erste größere Verwaltungsaufwand für die Promotion ist natürlich die Bewerbung und die war schon intensiv. Es handelt sich in Rijeka um ein strukturiertes Doktorandenprogramm, das heißt ich musste einige Kurse belegen, Präsentationen halten, Klausuren schreiben oder kurze Studienarbeiten schreiben, um ECTS-Credits zu erwerben. Parallel dazu läuft das Projekt der Dissertation, also die Themenfindung, Strukturierung der Arbeit und dann das Niederschreiben. Man kann dort in Teilzeit oder Vollzeit promovieren. Die Fakultät ist überschaubar und familiär und durch den guten und engen Kontakt zur Mentorin und auch zum Sekretariat war es kein Problem, Fragen auf Deutsch oder Englisch zu klären.

HVF: Was nehmen Sie als persönliche Erfahrung mit?

G. Sander: Durch das Promotionsverfahren von Anna-Lena Hofmann, an dem ich beteiligt war, ist der Kontakt mit Rijeka noch intensiver geworden. Ich bin jetzt dort an der Fakultät, was mein Netzwerk angeht, noch breiter aufgestellt. Das Verfahren, um dort als Doktorandin und Mentor angenommen zu werden, hat sich als sehr anspruchsvoll herausgestellt und wurde in einem 11-seitigen Bescheid bestätigt. Es wurde dabei von kroatischer Seite betont, dass man auch weitere Promotionen annehmen würde. Ich bin davon überzeugt, dass sich diese fruchtbare Kooperation fortführen lässt.

A.-L. Hoffmann: Auf einer persönlichen Ebene habe ich mich mit allen Professoren, Mentoren und Mit-Promovierenden, die mich begleitet haben, so gut verstanden, dass wir auch weiterhin zusammenarbeiten werden. Ich habe ein Land kennengelernt, das ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Die Hafenstadt Rijeka hat einen rustikalen Charme, gleich daneben liegt der schöne Urlaubsort Opatija. Von den Professorinnen und Professoren in Kroatien habe ich sehr viel gelernt. Ich habe an der Uni Rijeka beispielsweise im Fach „Methodologie“ juristische wissenschaftliche Methoden gelernt, die ich während des Studiums in Deutschland so nicht mitbekommen habe. In den drei Jahren habe ich sehr viel gelernt, bereichernde Menschen kennengelernt und viele positive Erfahrungen gemacht. Dafür bin ich extrem dankbar.

 

Das Interview wurde von Judith Kausch-Zongo geführt. 

Anna-Lena Hofmann - Fotograf: Matthias Strohmeier

Prof. Dr. Gerald G. Sander