Ludwigsburger Hochschule wehrt sich gegen unzutreffende Vorwürfe

12.04.2018

Die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg (HVF) wehrt sich mit Nachdruck gegen die Kritik, die nach einer Umfrage der Deutschen Steuergewerkschaft unter Studierenden in den Medien laut wurde. Die Kritik ist nicht gerechtfertigt, durch die Umfrage nicht belegt und völlig überzogen.

Es wird der Eindruck erweckt, dass die Umfrage repräsentativ sei und die Lehrsituation an der HVF korrekt beschreibe. An der Umfrage haben jedoch lediglich neun Prozent der damals an der Hochschule eingeschriebenen Studierenden teilgenommen. Sie war zudem auf den Kreis der Studierenden beschränkt, die im Jahr 2017 ihre Laufbahnprüfung im Studiengang „Gehobener Dienst in der Steuerverwaltung“ abgelegt haben. Des Weiteren waren zum Zeitpunkt der Umfrage die 91 Prüflinge, die die Laufbahnprüfungen nicht bestanden haben, bereits über das Ergebnis informiert. Deren Enttäuschung ist in das Ergebnis der Umfrage eingeflossen und hat diese verzerrt. Dennoch nimmt die Hochschule die Meinung dieser Studierenden sehr ernst und hat eine gemeinsame Arbeitsgruppe hierzu sofort nach Erhalt der Umfrageergebnisse Anfang März mit initiiert.

Die Berichterstattung bezieht sich zudem stark auf die Äußerungen Einzelner in den frei formulierten Texten, die in der Umfrage möglich waren. Eine verallgemeinernde Darstellung von Einzelmeinungen, ohne dies kenntlich zu machen, ist in hohem Maße unseriös. Teilweise wurde der auch im Journalismus geltende Grundsatz, die Gegenseite zu hören, also die HVF, vernachlässigt.

Die tatsächlich zu prüfenden kritischen Vorkommnisse an der HVF sind der Öffentlichkeit durch die Berichterstattung weithin bekannt. Dem gegenüber steht die Gewissheit, dass die weit überwiegende Mehrheit sämtlicher Professorinnen und Professoren, Lehrbeauftragten und Gastdozierenden an der Hochschule exzellente Arbeit leistet, wie von den Dienststellen der Absolventinnen und Absolventen, den öffentlichen Verwaltungen und den Finanzämtern, bestätigt wird. 

Sämtliche Studiengänge sind akkreditiert. Zur Sicherung der Lehrqualität werden zudem entsprechend der Evaluationsordnung regelmäßige und permanent Lehrevaluationen durchgeführt, über die alle zwei Jahre zusammenfassend und anonymisiert berichtet wird und ggf. Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden. So fasst der letzte Evaluationsbericht der Fakultät für Steuer- und Wirtschaftsrecht über 3500 Studierendenbewertungen von fast 150 Lehrveranstaltungen zusammen und kommt insgesamt zu einem guten Ergebnis, entsprechend der Schulnote zwei. Anders als in Pressemitteilungen, basierend auf der Umfrage der Steuergewerkschaft dargestellt, äußern lediglich sieben bis 14 Prozent der Studierenden die Meinung, dass sich der Besuch einzelner Veranstaltungen nicht oder eher nicht lohnt. Umgekehrt halten 70 Prozent der Studierenden den Besuch der Veranstaltung für lohnenswert und bewerten auch das Engagement und die Kompetenz ihrer Dozierenden positiv. Diese gute Gesamtbewertung im Jahr 2016 setzt die guten Ergebnisse von 2014 fort und spricht für eine andauernd hohe Lehrqualität.

Der Vorwurf, dass Prüfungssachverhalte während der Prüfung geändert werden mussten, trifft zu und ist äußerst ärgerlich. Die HVF ist bestrebt, den Prüflingen, die sich in einer außergewöhnlichen Anspannung befinden, die besten Rahmenbedingungen zu bieten. Trotz einer bereits bestehenden Qualitätssicherung bei der Erstellung der Laufbahnprüfungen, die an anderen Hochschulen und Universitäten nicht existiert, ist im vergangenen Jahr ein solcher Fehler aufgetreten. Wir klären momentan auf, wie es hierzu kommen konnte und werden entsprechende Verbesserungen einleiten, um künftig solche nachträglichen Korrekturen soweit als möglich auszuschließen.

Die Finanzämter im Land funktionieren reibungslos und arbeiten qualitativ hochwertig. Der gehobene Dienst ist die tragende Säule der Finanzverwaltung im Land und kommt ausschließlich von Ludwigsburg. Sowohl in der Verwaltung als auch außerhalb in der freien Wirtschaft genießen unsere Absolventinnen und Absolventen einen hervorragenden Ruf. Dies spricht für die exzellente Ausbildung der HVF.

In der Berichterstattung wird erstmals auch die Verwaltung der HVF hart angegangen. Das Prüfungsamt wird als desolat beschrieben. Fehler in den Prüfungen sind jedoch nicht dem Prüfungsamt zuzuschreiben. Die Beschäftigten leisten trotz steigender Studierendenzahlen, genereller Personal- und Raumknappheit sowie der derzeitigen Berichterstattung, eine hervorragende Arbeit.

Die HVF hat den Anspruch und Auftrag, die fachtheoretische Ausbildung der Studierenden durchzuführen. Dabei gelingt es, Theorie und Praxis eng zu verzahnen. Die Verwaltungsstudiengänge in Ludwigsburg haben einen sehr großen Praxisbezug, was vor allem ein Verdienst der über 500 nebenamtlichen Lehrbeauftragten ist, die direkt aus der Praxis kommen, um ihr Wissen den Studierenden zu vermitteln.

Die HVF stellt klar, dass sie angesichts der im Untersuchungsausschuss des Landtags zur Sprache gekommenen vermeintlichen Missstände entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen muss. Das Rektorat und die Dekanate prüfen jeden Vorwurf, der intern, wie extern geäußert wird. Die Hochschulleitung, die Dekanate und die Verwaltung befinden sich in einem intensiven Diskussions- und Analyseprozess über die aktuelle Situation und die Zielrichtung der Hochschule. Der gemeinsame Fokus liegt darauf, die Qualität des Studiums zu sichern, Verwaltungsprozesse zu optimieren und die Hochschule zukunftsfähig zu machen. Das öffentliche Interesse an einer umfassenden Aufklärung ist angesichts der Bedeutung der Hochschule verständlich. Die HVF arbeitet deshalb konstruktiv mit dem Untersuchungsausschuss und seiner Ermittlungsbeauftragten zusammen. Gleichzeitig besteht die Hochschule auf einen seriösen und fairen Umgang.