Kongress Arbeits- und Führungswelten der Zukunft - „Digitalisierung und Verwaltung 4.0“

23.04.2018

Worauf müssen sich die Führungskräfte in den Behörden einstellen im Zeitalter der Digitalisierung? Wie können sie gestalten? Um dies zu diskutieren, hatten die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen (HVF) Ludwigsburg und der Staatsanzeiger diese Woche zum Kongress eingeladen. „Es geht weniger um Bits und Bytes, sondern um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und die Verwaltung“, begrüßte Wolfgang Ernst, Rektor der HVF, die Teilnehmer. „Wir wollen die Digitalisierung positiv nutzbar machen für die Menschen.“

„Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass wir uns in Deutschland selbst im Weg stehen. Vielleicht aufgrund von Rahmenbedingungen und Unwissenheit, vielleicht auch aufgrund von deutscher Selbstgefälligkeit und Ignoranz“, sagte Claudia Schneider, Professorin für Personalmanagement, Führung und Organisationsgestaltung. „Damit sich das ändert, brauchen wir aufgeschlossene, neugierige und tatkräftige Menschen, denn es geht um eine Expedition ins Neuland.“ Dazu diene diese erste Veranstaltung der wissenschaftlichen Kongressreihe „Arbeits- und Führungswelten der Zukunft“, „mit der wir beabsichtigen, Ihnen einen Blick über den Tellerrand zu bieten, zu vernetzen“.

Man dürfe nicht in einer bequemen Zeit verharren, sonst werde man von der Entwicklung abgehängt, betonte auch der Informatiker Albrecht Schmidt, Leiter der Human Centered Ubiquitous Media Group am Informatik-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München in seinem Vortrag. Er entgegnete aber: „Es ist schon keine Expedition ins Neuland mehr, da sind schon ziemlich viele, die Fahnen eingesteckt und Zäune aufgestellt haben.“ In Richtung der Landesregierung äußerte Albrecht Kritik: „Eine Revolution zu durchstehen, ist nichts, was man mit der Portokasse macht.“ Die Investitionen seien wesentlich höher, als sich viele vorstellen, da sich Rechner permanent rasant verbessern. Andere Länder stellten dafür größere Summen bereit.

Eine Großbaustelle, die alles verändern wird

Zuvor hatte der Landesbeauftragte für Informationstechnologie, Stefan Krebs, erklärt: „Die Zukunft der Kommunen und der Verwaltung ist digital.“ Deshalb habe man mit der Digitalisierungsstrategie auch verschiedene Förderprogramme in Millionenhöhe aufgelegt.

Ulrich Michael Fiedler, Oberbürgermeister von Metzingen, verlangte, Datenschutz und Cybersicherheit müssten in Deutschland politisch besetzt werden, technisch sei das alles möglich. „Wir sind das letzte Glied in dieser Kette, wir sind abhängig von Entscheidungen auf anderen Ebenen.“

Albrecht Schmidt machte den Führungskräften klar, dass die Systeme komplizierter würden, weil bestehende Verfahren durch neue ergänzt würden, nicht ersetzt. „Stellen Sie sich auf eine Großbaustelle ein für die nächsten 30 Jahre!“ Zur Digitalisierung seien klare Ziele unverzichtbar. Diese könne man ändern, aber ohne Ziele sei das Scheitern garantiert.

Führungskräfte können sich nicht mehr auf Hierarchie verlassen

Weil bei vielen Prozessen in Zukunft die Bürger einbezogen werden müssten, sollten sich Verwaltungsentscheider darauf vorbereiten, Kontrolle abzugeben, meinte der Experte für Mensch-Maschine-Interaktion. „Digitalisierung verändert alles“: die Erwartungen aller Beteiligten, benötigte Fähigkeiten, Kommunikation, Arbeitsweisen, die Kultur und welche Medien genutzt werden. Was das für Vorgesetzte bedeutet, erläuterte Elke Berninger-Schäfer, Gründerin und Leiterin des Karlsruher Instituts: „Es ist wichtig, dass Virtualisierung und Humanisierung Hand in Hand gehen. Wenn wir über Medien führen, ist die Frage: Wie gestalten wir Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter?“ Einfluss werde künftig nicht mehr über Hierarchie ausgeübt, sondern über ein Beziehungsmanagement in Netzstrukturen.

Dass die Verwaltung bei der Digitalisierung vorneweg gehe, habe nichts mit verschlafener Beamtenmentalität zu tun, hatte die Staatsanzeiger-Chefredakteurin Breda Nußbaum in ihrer Begrüßung betont: „Sie arbeiten in einem besonders sensiblen Bereich, Sie organisieren das öffentliche Leben. Bei Ihnen liegen die Daten aller Steuerpflichtigen, aller Krankenversicherten, aller Grundstücke.“ Mehr Tempo bei der Digitalisierung könnte aber notwendig werden, wenn Stellen wegen der alternden Gesellschaft nicht mehr zu besetzen seien.

Daniel Völpel

 

Mehr Informationen zur Kongressreihe und den aktuellen Kongressfilm finden Sie hier oder auf den Seiten des Staatsanzeigers.

Informationen zum Kompetenzzentrum für "Führungskräfteentwicklung im öffentlichen Sektor" finden Sie hier.