17. Bildungsforum Ludwigsburg

03.07.2017

Die Frage nach einem modernen Beamtentum stellt sich auch in der öffentlichen Diskussion immer wieder. Es existieren viele Vorurteile, die nicht gerade zu einem guten Ansehen dieses Berufstands beitragen. Die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg lud deshalb im Rahmen des 17. Bildungsforums – einem Veranstaltungsformat, dass jedes Semester im Turnus von einer der vier Ludwigsburger Hochschulen organisiert wird – zu einer grundsätzlichen Debatte über die Zukunft der Beamten in Deutschland ein.

Die beiden Ethikbeauftragten der Hochschule, Prof. Dr. Eisenbarth und Prof. Dr. Walling eröffneten und moderierten die Veranstaltung. Eisenbarth ging dabei auf die generellen Probleme des Beamtentums in Deutschland ein – das starre, hierarchische System des öffentlichen Diensts; Führungskräfte, die in der Regel als Universitätsabsolventen über wenig praktische Erfahrung verfügen und damit Akzeptanzprobleme haben; sowie einige wenige Beamte, die über keinerlei Dienstleistungsorientierung verfügten und alte Vorurteile bestätigten. Dennoch hob auch er hervor, der vor 15 Jahren aus der freien Wirtschaft in den öffentlichen Dienst wechselte, die sehr gute Ausbildung und Motivation in der öffentlichen Verwaltung. Thomas Eigentaler, Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft betonte, dass das Beamtentum keineswegs überholt, sondern nach wie vor eine moderne Einrichtung sei. „Der Dienst am Bürger steht für uns im Mittelpunk“. Beamte sollten in Diskussionen offen und selbstbewusst für ihre Tätigkeit und ihren Sonderstatus einstehen. Schließlich wären sie auch mit weitreichenden Pflichten belegt. Wolfgang Reimer, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Stuttgart und ein Späteinsteiger im öffentlichen Dienst berichtete über seinen Werdegang und seine Erfahrungen in den verschiedenen Hierarchiestufen. Er tritt für eine offene Führungskultur innerhalb der Verwaltung ein, die Kritik nach oben, sowie faire Beurteilungen der Angestellten umfasst.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit weiteren Vertretern der Hochschule wurde kontrovers über Aufstiegschancen und Veränderungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst debattiert. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass in den kommenden Jahren – bei entsprechendem Einsatz – ein „Feststecken“ junger Beamter auf der Karriereleiter die absolute Ausnahme bleiben wird. Auch die Dienstleistungsorientierung hätte mittlerweile in allen Behörden Priorität. Der „typische“ Beamte sei ein aussterbendes Fossil. „Keiner unserer Absolventen sieht sich als „typischer Beamter“ und will so auch nie werden“, stellte Prof. Dr. Eisenbarth klar.